Demütige Liebe
Die Liebe
treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie ist bescheiden, sie
lehrt uns demütig zu bleiben und langsam gehen.
Darüber habe ich viel von Daniel, einem behinderten Obdachlosen aus Rumänien,
gelernt. Wie wir uns kennengelernt haben, war natürlich übernatürlich. Der Herr
zeigte mir ihn mit strahlendem Licht auf einer Straße im Stadtzentrum. Zuerst lief
ich vorbei, weil ich nicht wusste, wie ich ihn ansprechen sollte. Es war ein heißer
Sommertag, so sagte der Herr mir, dass ich ihm eine Flasche Wasser geben soll.
Wunderbar! Das schaffe ich! Er saß da, mit seinen verformten Füßen von ihm gestreckt.
Also kniete ich mich nieder und fragte, ob er Durst hat. Er verstand mich
nicht, so ich zeigte ihm die Flasche. Er sagte ja und wir fingen an zu sprechen.
Dann aßen wir und tranken Kaffee zusammen. Ich sagte ihm, dass ich gläubig bin,
und er erklärte mir, dass er katholisch ist.
Das überraschte mich, dass ich davonausgegangen war, er sei nicht gläubig. Es musste für ihn extrem schwierig sein Gott zu vertrauen, nach allem was er schon erlebt hatte. In gebrochenem deutsch erzähle er mir seine Geschichte. Seine beiden Eltern verstarben sehr früh und sein Bruder schickte ihn weg, weil er selbst Schwierigkeiten hatte, seine eigene Familie zu versorgen. So landete Daniel in Frankfurt, schlief auf der Straβe, seine Landsmänner stahlen regelmäßig Geld von ihm und wegen seiner Behinderung konnte er keinen Job finden. Trotz allem sagte er kein Wort gegen Gott! Als ich ihm eine rumänische Bibel schenkte, küsste er sie und behandelte sie wie den größten Schatz. Als wir zusammen mit der U-Bahn unterwegs waren, lieβ er mich als erste einsteigen – eine Geste, die ich selten bei meinen Kollegen erlebte. Er bestand immer darauf, Kaffee für mich zu zahlen. Er war nicht verbittert, er genoβ das Leben, lachte viel und fragte jedes Mal wie es mir geht.
Es bewegte mich sehr und ich genoβ wirklich die Zeit mit ihm, es war kein Mitleid. Wir gingen mehrmals zusammen in die Gemeinde, er hatte viel Spaβ im Auto und machte keine Kommentare über meinen unerfahrenen Fahrstil. Ich betete für seine Beine, sah aber leider keine Heilung, es entmutigte ihn aber nicht. Er zeigte mir, wo er schlief, kaufte ein Handy, damit er mich anrufen kann. Und ich begann mitten in der Nacht aufzuwachen und zu überprüfen, ob es regnet oder schneit. Wenn wir zusammen waren, starrten uns die Menschen an und ich hatte mehrere wunderschöne Gelegenheiten Zeugnis zu geben. Von diesem Mann lernte ich, dass demütige Liebe die Menschen anzieht wie nichts anderes in dieser Welt.

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