Nagyi


Gestern nach der Arbeit habe ich mich kurz hingelegt. Ich habe nicht so einen lebendigen Traum erwartet... Ich versuchte von einigen Leute wegzulaufen, als ich ein altes Bauernhaus sah. So ging ich rein, um da Zuflucht zu finden. Unerwartet sah ich meine Großmutter da. Unsere geliebte Nagyi (die Kurzversion von Groβmutter auf Ungarisch - nagymama).  Wir redeten gar nicht, sie nahm mich einfach in ihre Armen und ich fühlte wie ihre Liebe mich beruhigt. In diesem Moment verschwand alles andere, sie nahm mich mit ihrem ganzen reinen Herz auf mit Liebe, die in Gottes Gegenwart vollkommen wurde. Ich wollte da fϋr immer bleiben. In dieser absoluten Liebe. Aber sie teilte mir ohne Worte mit, dass es Zeit fϋr mich ist, wieder zu gehen.

Ich wachte langsam auf. Mir fehlte diese Liebe sofort so schrecklich.  Ich konnte mich nicht beherrschen und weinte unkontrolliert für eine gute halbe Stunde. Und sogar jetzt, als ich diese Worte schreibe, laufen mir die Tränen. Jeder, der sie kannte, wϋrde es verstehen. Unsere Nagyi war wirklich das Fundament , ein fester Fels unserer Familie. Sie war immer liebevoll, frӧhlich, mit einem Lachen auf dem Gesicht, hat jeden mit offenen Armen aufgenommen, nie in Eile. Natϋrlich gab es Zeiten, als sie sich traurig und im Schmerz befand, aber sie hat es keinem vorgeworfen.  Jetzt, als ich viel älter bin, muss ich nachdenken, wie sie so stabil bleiben konnte. Trotz allem was sie erlebt hat.

Mit 20 heiratete sie wahrscheinlich den ärmsten Kerl im Dorf und ihre ziemlich reiche Familie war nicht glϋcklich darϋber. Ihr erstes Mädchen starb als Einjährige wahrscheinlich aufgrund ärztlicher inadäquater Behandlung. Das Leben mit einem Sprudelkopf und extrem eifersüchtigem Mann war eine tägliche Herausforderung. Dann brach der Krieg aus, Großvater musste in den Armeedienst und sie blieb alleine mit Zwillingen zu Hause. Dann kamen die Russen und besetzten unser Land. Sie nahmen sich in jedem Haushalt, was sie wollten: Essen, Schmuck und mehr. Es war sicherlich nicht einfach unter diesen Umständen alleine mit Kinder zu Hause zu sein. Sie nahmen sogar ihren Hochzeitsring, aber den Rest vom Schmuck hatte sie sehr klug im Herd versteckt.  Später zog die Familie in die Stadt um, um da ein besseres Leben zu finden. Trotzdem musste meine Oma regelmäβig ihre Mutter um Essen (d.h. Mehl, Eier Und Milch) bitten, damit sie die Familie versorgen konnte.

Wenn ich zurückdenke, konnte ich keine Bitterkeit, Wut oder tiefe Traurigkeit in Nagyi bemerken. Stattdessen fϋllte sie ihr Leben mit Schӧnheit aus. Sie liebte schӧne Sachen, vor allem Kleidung. Sie liebte es, sich schick anzuziehen, sie wählte jedes Stück sehr sorgfältig. Sie ging immer mit offenen Augen durch die Stadt, sie suchte ständig nach Inspiration. Stundenlang am Tag tat sie, was sie liebte – Schönheit erstellen! Jahrelang machte sie bestickte Tischdecken, Kissenbezϋge, Wandbilder. Sie liebte es, neue Mustern zu malen und diese dann mit bunten Farben zum Leben zu erwecken. Hochmotiviert durch den Wunsch das Familieneinkommen zu verbessern, lernte sie von einer Freundin wie man Kleider näht. Bald waren viele prominente Frauen in der Stadt ihre Kundinnen - Schauspielerinnen, Tänzer, Reporter. Ich erinnere mich an ihr Zimmer voll mit verschiedenen Kleidern in verschiedenen Phasen der Vorbereitung. Ihre Kundinnen haben manchmal unmögliche bis lächerliche Vorstellungen, aber sie war immer sehr freundlich und geduldig zu jeder Frau.

Sie ging durch Schwierigkeiten im Leben mit Gnade. Sie hatte eine kӧnigliche Herkunft. Sogar in ihrem Bademantel sah sie wie eine Gräfin aus.  Sie kannte den Einen, der immer bei ihr war. Sie kannte ihren Schöpfer gut, den Geber aller guten Sachen. Sie war ein Gebetskämpfer, sie sagte mir einmal: „Ich bete für euch drei jeden Abend." Ich dachte, das ist was Omas normalerweise machen, erst viel später habe ich es begriffen, was fϋr eine Kraft dadurch in unseren Leben freigegeben wurde. Ich kann den geistlichen Durchbruch in meiner Generation fühlen und spüren dank der Gebete und Fürbitten von denjenigen, die vor uns gegangen sind! Lass uns die nicht vergessen, die hart arbeiteten, damit wir schneller, weiter und höher laufen kӧnnen. Die, auf deren Schultern wir stehen kӧnnen. Herr, bitte, hilf uns das gleiche fϋr die nächste Generation zu tun. Im Namen der absoluten Liebe. Im Namen Jesu.




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