Stolz
Dies ist ein wirklich großes
Thema in meinem Leben. Ich gebe es zu. Und er versucht immer wieder sich reinzuschleichen.
Aber der beste Berater und Helfer steht an meiner Seite. Wenn also die
Warnleuchten angehen, weiß ich, dass ich aufhӧren muss, was ich da gerade tue
und den Stolz sofort konfrontieren muss. Kurz vor meiner Abreise zu der
Missionschule in Afrika, erhielt ich meine erste große Lektion über Stolz. Als
ich das erste mal Heidi Baker sprechen hörte, hatte ich meine Zweifel. Aber es
gab dieses WENN in mir, und ich dachte, dass wenn das, was sie sagt, echt ist,
wϋrde es völlig meine Sicht von Gott, des Christentums, und eigentlich alles ändern!
Und ich wusste, dass ich die Antwort für mich selbst herausfinden muss, ob es
wirklich möglich ist, Jesus so nah zu erleben und so eine enge Beziehung mit
Gott dem Vater und dem Heiligen Geist zu haben. In diesem Moment habe ich mich
entschieden nach Mosambik zu fahren und mich selbst überzeugen zu lassen.
Etwa zwei Jahre später schien
alles perfekt, um dies zu ermöglichen. Nach 3 Jahren in Deutschland konnte ich
endlich meine Facharztprüfung ablegen, meinen Arbeitsvertrag wollte ich sowieso
nicht verlängern, es war Zeit für einen neuen Job. So eine perfekte Gelegenheit
mir eine Auszeit zu nehmen und die Schule in Afrika mitzumachen! Ich arbeitete
bis Ende Juni, vorher meldete ich mich fϋr die Schule und die Prüfung an. Und
dann begannen lustige Dinge zu passiert. Die mosambikanische Regierung wollte
uns das Visum für den gesamten Aufenthalt (10 Wochen) nicht ausgeben, sodass
die Leiter wirklich extrem hart arbeiteten, um einen Ort für uns in Südafrika zu
finden. Es wurde so intensiv, dass wir täglich Emails mit neuen Informationen
erhielten. Wir waren uns nicht sicher, ob die Schule überhaupt stattfinden würde.
Etwa 100 Studenten gaben auf und stornierten ihre Registrierungen. Eines Tages rief
mich meine beste Freundin, die sich auch fϋr die Schule angemeldet hatte, an
und das erste, was sie mir sagte war: „Judy, das Schlimmste ist passiert!"
Ich dachte sofort: Oh nein, die Schule wurde abgesagt!! Aber sie fuhr fort und
sagte: „Die ersten drei Wochen unseres Aufenthaltes werden wir zelten!!"
Ich weiß, dass sie zelten hasst.. Ich meinte aber, dass wenn die Leiter nicht
aufgeben, werden wir das auch nicht tun! Wenn der Teufel sich so viel Mϋhe gibt, uns
davon fernzuhalten, wartet sicherlich auf uns ein enormer Segen! Gute Freunde versuchten
uns wegen zu vieler Hindernisse von der Schule abzuraten, es es doch wohl nicht
Gottes Wille sein kann.. Gleichzeitig gab es einen Ausbruch von Ebola in
Westafrika. Egal wie sehr ich meiner Familie versuchte zu erklären, dass wir in
einen anderen Teil des Kontinents reisen werden, alles, was sie hören konnten,
war Ebola... Trotzdem konzentrierte ich mich auf die Vorbereitungen. Es war die
Frage des Tages, wie ich alles für 10 Wochen in nur einen Koffer einpacken
sollte. Einschließlich Zelt, Schlafsack, warme Decke und Reiseapotheke? Ich
weiß nicht wie, aber am Ende hat es ganz gut geklappt.
Dazwischen versuchte ich für
meine Facharztprϋfung zu lernen, aber irgendwie hatte das eine sekundäre
Priorität. Die Prüfung war für Anfang September geplant, die Schule startete Ende
September. Bei allen Kollegen war das Datum der Prüfung um mindestens ein Monat
nach hinten verschoben. Ich war die einzige, die das gewϋnschte Datum bekam!
Und dann kam die Angst herein und erzählte mir: „ Du hast nicht hart genug
studiert. Du warst sehr mit deiner Afrika-Reise beschäftigt. Das ist so
unverantwortlich! Du hast die letzten 8 Jahre deines Lebens da reininverstiert!"
Ich fing an, das zu glauben, bis ich Seine Stimme hӧrte: " Wirkliche Liebe ist frei von Angst. Ja, wenn Gottes vollkommene Liebe uns
erfüllt, vertreibt sie sogar die Angst " (1. Johannes 4:18) Als
ich das hörte, merkte ich, wie
albern ich handelte, lehnte die Angst ab und erhielt vollkommenen Frieden. Die
Prüfung verlief sehr gut, es wurden wirklich nur die wichtigen Sachen gefragt
und am Ende konnten wir sogar mit den Prüfern zusammen gut lachen! Danke Jesus!
Hallelujah! Jetzt
konnte ich mich voll und ganz auf Afrika konzentrieren! Ich hatte mein
mosambikanisches Visa immer noch nicht, mein Reisepass war mehr als 2 Wochen in
Berlin ohne irgendeine Rϋckmeldung. Ich rief die Botschaft jeden Tag an,
versuchte zuerst super nett zu sein, später war ich auch strenger, aber nichts funktionierte.
Ich konnte ihn nicht persönlich abholen, ich konnte gar nichts tun! Zwei Tage
vor meinem Flug hatte ich meinen Pass immer noch nicht! Und da brach ich
zusammen. Herr, ist es Dir nicht aufgefallen, wie hart ich gearbeitet habe? Wie
viel ich investiert habe? Habe ich Dich misverstanden? War das doch nicht Deine
Stimme, die ich am Anfang gehӧrt habe?
Und dann kapierte ich es plӧtzlich!
Es ist mein Stolz! Ich war so stolz auf das, was ich bereits erreicht haben,
stolz auf mein Leben, meine Hingabe. Herr, bitte vergib mir, es tut mir echt
leid, dass ich so stolz und arrogant war. Ohne Dich kann ich gar nichts tun!
(Johannes 15:5) Du bist der Autor meines Lebens, meines Schicksals, Du allein
führst mich auf allen meinen Wegen. Als ich das in meinem Wohnzimmer schrie, Buβe
tat und Ihn um offene Tϋren bat, wusste ich gleichzeitig, dass etwas wichtiges
in meinem Herzen geschah. Etwas, woran ich mich für den Rest meines Lebens
erinnern werde. Und ich wusste, dass ich oft an diesen Moment der kompletten
Hingabe erinnert werden werde. In Seiner unendlichen Barmherzigkeit begann Er
noch vor meiner Reise mein Herz zu berϋhren.
Am gleichen Tag kam der Postbote
mit einem Umschlag... Der arme Mann war über meine Reaktion ein bisschen
schockiert, weil ich ihn umarmte, ihm dankte und total glϋcklich herumsprang. Herr,
Du bist derjenige, der meinen Pass mit dem Visum hat, Du schickst mich heraus
an neue Orte, neue Länder, Du weist mir neue Aufgaben zu, Du öffnest die Türen,
Du hast immer das letzte Wort!
Es war eine wertvolle
Lektion, die ich da gelernt habe. Als ich die Flughafenhalle betrat, atmete ich
tief aus und dachte, dass jetzt alles reibungslos laufen wird.. Es dauerte aber
nur ein paar Minuten, bis ich herausfand, dass unser Flug überbucht war und ich
keinen Sitzplatz hatte... Aber das ist eine andere Geschichte...
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